Freude am Garten voll Farben und Formen

Während ihres Biologiestudiums wuchs Sibylle Siegrists Begeisterung für farbenfrohe und seltene Gemüsesorten. Heute hat sie  um die 180 Tomatensorten. Mit ihrem Gemüse will sie den Leuten Freude machen.

 

Text und Bilder: Julia Spahr

 

Gelbe, rote, pinke und orange Krautstiele, helle, kurze Gurken und runde, gelbe Zucchetti liegen auf dem Tisch vor Sibylle Siegrists Haus in Küttigen AG. Das ist die Ausbeute eines Rundgangs durch ihren Garten voller seltener Gemüsesorten. Früher haben ihre Eltern auf diesem Betrieb im Nebenerwerb Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben. Heute lebt Siegrist von der Vermarktung seltener Gemüse und deren Setzlinge.

 

 

Wie aus eigenem Garten

Am Samstag geht sie auf den Wochenmarkt in Aarau. Die Kunden sind begeistert von der Vielfalt ihrer Gemüse. Die optischen Reize der verschiedenen Farben und Formen zögen die Leute an, aber auch der Geschmack überzeuge, so Siegrist. Das bestätigt eine Kundin, die auf den Hof kommt, um frisches Gemüse zu kaufen. «Das Gemüse, das sie hier verkauft, schmeckt genau so, als käme es aus meinem eigenen Garten. Man schmeckt den Unterschied zu Produkten aus dem Supermarkt deutlich.»

Im ersten Jahr ihres Biologiestudiums ist Siegrist mit dem Thema Artenvielfalt und mit seltenen Gemüsesorten in Berührung gekommen. Eine Mitstudentin, Mitglied des Kürbisvereins Basel, sei in den Vorlesungssaal gekommen und habe gefragt, ob jemand Kürbissetzlinge haben wolle. «Daheim haben wir genug Platz, habe ich gedacht, und Mutter freut sich sicher auch», erzählt Siegrist. Mit 20 Setzlingen von neun verschiedenen Kürbissorten habe so alles begonnen. «Im Jahr darauf waren es bereits 42 Kürbissorten, verschiedene Zucchetti und Gurken. Vor über 10 Jahren Jahren kam die fast unendliche Vielfalt der Tomaten dazu.»

Mittlerweile hat Siegrist in ihrem Garten um die 180 Tomatensorten, 35 davon Pro Specie Rara. Siegrist geht neben dem Wochenmarkt auch auf die Pro-Specie-Rara-Setzlingsmärkte. «Das ist der Traum von jedem Setzlingsverkäufer», sagt sie. Denn dort treffe sie die wirklich Interessierten. Das freut Siegrist, denn den Sinn ihrer Arbeit sieht sie darin, den Leuten etwas zugänglich zu machen, an dem sie selber Freude hat und das die Leute sonst nirgendwo bekommen könnten. Die «Berkeley Tie Dye Heart»-Ochsenherz-Tomate etwa, eine grosse braun, rot, grüne mit goldenen Streifen überzogene Frucht etwa, baue sie wahrscheinlich als einzige in der Schweiz an.

 

 

Schwarze Tomaten

Siegrist bestellt die meisten ihrer Samen übers Internet und probiert dann aus, wie die Pflanzen am besten gedeihen. Dieses Jahr wachsen in ihren Kulturen beispielsweise mehrere Sorten mit dem Farbstoff Anthocyanin. Diese haben der Sonne zugewendet eine blau-violette, fast schwarze Haut, innen sind sie aber normal tomatenfarbig. Je nach Sorte rot, gelb grün usw. Der Farbstoff in der Haut schützt die Tomate vor der Sonne. Es sind neue Züchtungen mit aussergewöhnlichem Aussehen und speziellen Inhaltsstoffen.

 

Wegen dem Farbstoff Anthocyanin werden die Tomaten schwarz.

 

Eine weitere Sorte ist die die Green Tiger (grüner Tiger), wie der Name schon sagt, ist sie grün und bleibt es auch im reifen Stadium. «Man braucht etwas Erfahrung, um von blossem Auge zu sehen, ob diese Tomaten reif sind. Sie nehmen dann eine etwas andere Nuance von Grün an», sagt Siegrist.

 

 

Die Green-Tiger-Tomaten werden nie rot.

 

Auch die sogenannte Reisetomate, eine Pro-Specie-Rara-Sorte, fällt auf. Ausgereift ist sie zwar rot wie die herkömmlichen Tomaten, aber sie hat eine auffällige Form. Mehrere «Birnchen» sind innen zusammengewachsen, die abgetrennt werden können, ohne dass sie saften. Sie eignen sich deshalb gut als Reise-Proviant, daher der Name.

 

Praktisch für Unterwegs. Hier noch nicht reif und deshalb nich grün. Die Reisetomaten.

 

Sortenvielfalt freut

Siegrist setzt auf Sortenvielfalt. Neben Tomaten und Kürbissen hat sie auch verschiedenfarbige Krautstiel-Sorten, Peperoni, Gurken oder Zucchetti. Solche Sorten bringen allerdings weniger Ertrag als Hochleistungssorten. «Ein Tomatenstock bringt mir pro Saison 2 bis 4 Kilo — wenns hochkommt», sagt sie. Andere produzierten auf einem Quadratmeter 60 Kilo Tomaten.
Das brauche aber andere Sorten. Sie habe sich bewusst gegen eine solche Art von Produktion entschieden und erfreue sich an den unzähligen Farben und Formen ihrer Gemüse und daran, wie positiv ihre Kunden auf die Produkte reagierten.

 

Erschien am 23. Juli 2016 im «Schweizer Bauer» im Dossier «Seltenes Gemüse».