«Wir sind nicht stehen geblieben»

Death by Chocolate: Kevin Chesham, Daniel Wyttenbach, Mathias Schenk, Thomas Schläppi und Daniel Schläppi (von links)

 

Mit «Crooked For You» bringt die Bieler Rockband Death by Chocolate ein facettenreiches und intensives drittes Album heraus. Sie haben einen Schritt nach vorne gemacht – auch dank der Zusammenarbeit mit dem Produzenten Vance Powell.

 

Text: Julia Spahr; Bild: zVg

 

Es ist der Abend vor der Tour. Mathias Schenk, Frontmann der Rockband Death by Chocolate, und Pianist Daniel Wyttenbach kommen zum Gespräch in ein Bieler Café.

Sie freuen sich, ihr neues, drittes Album «Crooked For You» dem Publikum zu präsentieren, denn sie sind stolz darauf. Es ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Produzenten und vierfachen Grammy-Gewinner Vance Powell (Seasick Steve, The White Stripes, Arctic Monkeys).

«Let’s do a record», habe er gesagt, nachdem er in Nashville eine Single mit ihnen produziert hatte. Im vergangenen Herbst fuhren sie deshalb nach Brüssel und haben in den ICP Studios das Album aufgenommen.

«Es war eine unglaublich fruchtbare Zusammenarbeit und es het huere gfägt», erzählt Schenk. Powell habe eine sehr lockere, nicht-verkopfte Herangehensweise an die Musik. «Er hat nie einen Take abgebrochen. Dadurch konnte Unerwartetes passieren, aus dem wir wieder neue Ideen schöpften», sagt Wyttenbach.

Und Schenk ergänzt: «Aufnahmetechnisch und musikalisch haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl, denn meine grösste Angst ist es, stehen zu bleiben.»

 

«Crooked For You» ist abwechslungsreich

Dem Album ist anzumerken, dass die Band nicht stehengeblieben ist. «Crooked For You“ ist abwechslungsreicher als der Vorgänger «Among Sirens». Während der von Rocknummern dominierten war, sind auf dem neuen Album unter den 11 Songs fast ebenso viele ruhige wie rockige Stücke.

Zudem sind verschiedene Einflüsse bemerkbar. «The Witch And The Poor» hat etwas von einem melancholisch süffigen Countrysong. In «Two Paths» und dem herzerwärmenden «Cross The City Line» zeigt sich die Band von ihrer sanfteren, poppigen Seite.

Neben den ruhigeren Stücken sind aber auch harte, gitarrenlastige und intensive Rocknummern auf dem Album. Der Beat von «Give Us A Reason» zum Beispiel erinnert an einen nervösen, rhythmusgestörten Herzschlag und die Gitarre tönt wie ekstatische Schreie. «Gravedigger» ist eine eingängiger Rocksong, der eine Idee gibt, wie die Band live tönt.

 

Das Ziel ist, live zu spielen

Ihr letztes Album «Among Sirens» erreichte die Top-10 der Schweizer Album Charts. Dadurch bekamen Death by Chocolate Aufmerksamkeit von den Radios und wurden als «Best Talent 2015» für einen Swiss Music Award nominiert.

Auch die erste Single- Auskopplung des neuen Albums, «Two Paths», «lief super am Radio», wie Schenk sagt. Das freue sie. Darauf angelegt hätten sie es aber nicht. «Vor den Aufnahmen haben wir nicht darüber nachgedacht, was dem Publikum gefallen könnte. Wir haben uns auf die Musik konzentriert. Erst als die Stücke fertig waren, haben wir gewählt, welche sich am besten für die Radiostationen eigneten», erzählt Wyttenbach.

«Unser Ziel ist, auf der Bühne zu stehen. Wenn die Songs zwar am Radio laufen, wir sie live aber nicht spielen können, erfüllt uns das nicht», sagt Schenk.

In den letzten zwei Jahren haben sie über 120 Konzerte gegeben und sind tausende Kilometer gefahren. Sie spielten in Hollywood, tourten an der Westküste Amerikas ebenso wie durch Europa. Sie traten in Schweizer Klubs und an Festivals auf. An einem der grössten Musikfestivals der Welt, dem Woodstock in Polen, spielten sie auf der Hauptbühne.

Und noch ist es ihnen nicht verleidet. Frontmann Mathias Schenk, Thomas Schläppi (Gitarre), Daniel Schläppi (Bass), Daniel Wyttenbach (Piano, Hammondorgel) und Kevin Chesham (Schlagzeug) gehen gern auf Tour.

An die neue Set-Liste müssten sie sich aber noch gewöhnen: «Wir sind live eher holzfällerisch unterwegs», sagt Schenk. Bei den neuen Songs könnten sie aber nicht so «drichutten». Vor allem die ruhigen Stücke sollten «eher doucement gespielt werden». Das werde eine Herausforderung, aber sie freuten sich darauf. Denn das Schönste an ihrer Arbeit sei, live zu spielen.

 

Diesen Artikel habe ich für die SDA geschrieben. Erschienen ist er am 16. März 2016 in der «Luzerner Zeitung» erschienen und am  20. März in der «Südostschweiz».