Sie kocht, was ihre Schwester anbaut

Julia Pfäffli führt den «Löwen» in Bangerten BE. Ihre Schwester Anja den Bauernbetrieb. Sie arbeiten eng und gewinnbringend zusammen.

 

Text: Julia Spahr, Bilder, wenn nicht anders angegeben: Julia Spahr

 

Es ist Ende April, und es schneit. Auf einem Spargelfeld im bernischen Bangerten stehen Anja Pfäffli und ihr Vater Hans. Sie sägen mit der Motorsäge Finnenkerzen zu. Diese sollen die Spargeln in der Nacht vor dem Erfrieren schützen.
«Die Spargeln sollten die Nacht wirklich überstehen. Vor allem, damit Julia genug fürs Restaurant bekommt», sagt Anja Pfäffli. Julia Pfäffli ist ihre ältere Schwester. Sie ist Köchin und hat vor fünf Jahren die «Wirtschaft zum Löwen» von ihren Eltern übernommen. Anja wiederum ist Landwirtin und führt seit einem Jahr als Nachfolgerin ihres Vaters den dazugehörigen Bauernbetrieb. Wie im Fall der Spargeln arbeiten die beiden Frauen eng zusammen. Das Konzept des Restaurants besteht darin, regionale und saisonale Gerichte anzubieten und möglichst viel vom eigenen Hof zu verwerten.

 

Landwirtin Anja Pfäffli (l.) und ihre Schwester, die Köchin Julia Pfäffli.

Erfahrene Köchin
«Wir führen weiter, was unsere Eltern aufgebaut haben. Sie gingen schon immer nach diesem Konzept vor», sagt Julia Pfäffli. Sie bringt aber auch eigene Erfahrungen mit. Ihre Kochlehre hat in der Moospinte in Münchenbuchsee BE beim Sternekoch Kräuter Oski gemacht. Danach arbeitete sie unter anderem in der mit 19 Gault-Millaut-Punkten dotierten Fischerzunft in Schaffhausen. Wie kam es also, dass die mittlerweile 40-jährige Frau zurück in den elterlichen Betrieb ging? «2006 bekam ich eine Tochter. Ich arbeitete danach mit einem tieferen Pensum weiter. So kommt man aber in der Gastronomie auf keinen grünen Zweig, zudem wollte ich meine Tochter nicht immer abgeben.» Sie entschied sich also, das elterliche Restaurant zu übernehmen. So konnte sie die Betreuung ihrer Tochter und den Beruf besser vereinbaren, zumal ihre Eltern auch dort wohnen und sie unterstützen. «In den ersten zwei Jahren wurde ich trotzdem komplett überrannt», sagt Julia Pfäffli.

 

Julia Pfäffli geniesst ein Spargelmenu. (Bild: Miriam Pfäffli)

 

Nerv der Zeit
«Mit unserem Konzept scheinen wir den Nerv der Zeit getroffen zu haben.» Die Medien wurden auf sie aufmerksam, und die Gäste liessen auch nicht auf sich warten. «Ich hatte alles etwas unterschätzt und stiess plötzlich an meine Grenzen.» Nach zwei Jahren stellte sie deshalb einen Koch an, was sie sehr entlastete und wieder mehr Freude an der Arbeit brachte.
In Zukunft möchte sie weiterhin auf saisonale Angebote setzen. Im Herbst gehen die Leute nämlich bereits in den «Löwen» zum Wildessen. Im Winter schlachten Pfäfflis ihre Schweine für die Metzgete, und im Frühling kommen eben die Spargeln. «Zwischen Metzgete und Spargelzeit war es bisher etwas ruhig. Meine Schwester und ich überlegen, was ich in dieser Zeit Saisonales anbieten könnte», sagt die Köchin. Dieses Jahr steht aber erstmal die Spargelsaison an. Und die von Frost Verschonten werden Eingang in diverse Menüs des «Löwen» finden.

 

Wirtschaft zum Löwen in Bangerten.

 

 

Erschienen im «Schweizer Bauer» am 13. Mai 2017.