«Wir würden eine Dreiecksbeziehung führen»

Christoph Glauser ist ein erfolgreicher Jungbauer. Er führt einen Betrieb, hat drei Alpen und ist mitverantwortlich, dass die Bauern in der Region bald einen besseren Milchpreis erhalten. Nur in der Liebe hatte er bisher keinen Erfolg.

 

Text und Bilder: Julia Spahr

 

Sehr gut hat es ausgesehen vor zwei Jahren. Der heute 27-jährige Bauer Christoph Glauser empfing auf einer seiner Alpen zwei Studentinnen, die einen Film drehen wollten. Eine davon gefiel ihm von Anfang an. «Ich war an ihr interessiert und sie an mir, und wie es halt so geht, hat sich etwas angebahnt», erzählt Glauser heute. Der junge Mann sitzt am Küchentisch seines elterlichen Wohnhauses in Riffenmatt BE. Sein Edelweiss-Hemd umspannt die breiten Schultern. Immer wieder verschränkt er die Arme. Mit zarter Stimme fährt er fort: «Wir sind uns näher gekommen und hatten eine schöne Zeit.» Als der Film fertig war, reiste sie ab. «Sie wollte aber zurückkommen und den restlichen Sommer bei mir verbringen. Ich habe mich sehr auf sie gefreut.» Als sie dann kam, war aber etwas anders. «Ich merkte bereits bei ihrer Ankunft, dass etwas nicht stimmte.»
Er nimmt einen Schluck Kaffee, bevor er weiterspricht. Die Alp Christoph Glausers war der Grund, weshalb er die junge Frau überhaupt kennen lernte. Die Alp ist auch ein wichtiger Teil seiner täglichen Arbeit. Bevor die Geschichte mit der jungen Frau weitergeht, soll zunächst jene der Alpen und seines Betriebs erzählt werden.

 

Christoph Glauser vor seinem Bauernhaus in Riffenmatt.

Betrieb, Alpen, Gruyère
2011 kam er aus der Lehre zum Landwirt EFZ und gründete mit seinem Onkel eine Generationengemeinschaft. Damals hatten sie 14 Kühe, und Glauser musste viel extern arbeiten gehen. Nach und nach konnte er aber die Pacht für zwei Alpen übernehmen und eine weitere kaufen. Heute sind es mit den Alpen und Weideland rund 102 Hektaren. Auf den Alpen kümmert er sich um 117 Rinder, und auf dem Betrieb macht er Aufzucht. Die eigenen Galtkühe kommen auch auf die Alp, die Milchkühe bleiben im Moment in Riffenmatt.
Extern arbeitet er heute nur noch am Samstag. Ansonsten ist er auf dem Betrieb sehr eingebunden. Trotz des hohen Arbeitsaufwands engagierte er sich aber zudem für die Gründung einer Käsereigenossenschaft. Er und andere Bauern gaben ihre Milch in eine baufällige Emmentaler-Käserei. Zwei andere Käsereien in der Gegend produzierten bereits Gruyère, waren in einem ähnlichen Zustand. Deshalb beschlossen die Käser und Bauern, sich zusammenzuschliessen und in einer neuen Käsereigenossenschaft Gruyère AOP zu produzieren.
Im kommenden Winter ist es so weit, und die ersten Käser ziehen in die Käsereigenossenschaft Guggisberg. «Solange Gebäude und Infrastruktur nicht amortisiert sind, wird uns etwas abgezogen. Trotzdem rechnen wir mit einem Milchpreis um die 80 Rp.» Glauser nimmt ein Schoggigüezi aus der Metallbüchse auf dem Tisch, als er das erzählt. Dann verschränkt er die Arme wieder und sagt: «Ja, ich habe mir mein Leben hier aufgebaut. Ich habe die Rahmenbedingungen gesetzt. Manche Frauen überfordert das vielleicht, wenn sie noch nicht wissen, was sie mit ihrem Leben wollen.»

Glauser bei einem seiner Kälber der Rasse Normande.

Alles bricht zusammen
Auch die Film-Studentin wusste offensichtlich nicht recht, was sie wollte, als sie nach den Dreharbeiten wieder auf Glausers Betrieb kam. «Wie gesagt merkte ich, dass sie seltsam war. Tatsächlich fragte sie mich dann, ob ich in ihr Zimmer ein zweites Bett stellen könnte. Sie habe jemanden kennengelernt, und der möchte nun auch zu uns arbeiten kommen», erzählt Glauser. «Ich merkte, wie das Kartenhaus in mir zusammenbrach.» Er reibt die Finger aneinander und die Kaffeetassen klappern. Er sagte der Frau, sie könne bleiben, aber alleine. Wenn sie das nicht wolle, solle sie gehen. Sie blieb. Und die ganze Zeit herrschte eine Anziehung zwischen ihnen, ohne dass sie einander näher kamen. Nach der Alpsaison reiste sie ab. Glauser ging seiner Arbeit nach und versuchte, die Erlebnisse des Sommers zu verarbeiten.
Plötzlich erhielt er einen Anruf. Am Telefon war die junge Frau und weinte. Die andere Beziehung habe nicht funktioniert. Sie wolle wieder so oft wie möglich nach Riffenmatt kommen und ihm noch eine Chance geben. «Ich war blauäugig und habe mich darauf eingelassen», sagt Glauser rückblickend.
Eine Fernbeziehung begann. «Sie war oft an den Wochenenden hier. Und jedes Mal kam sie mit einer neuen Idee.» Einmal wollte sie mit ihm eine kleine Gaststätte auf der Alp im Gurnigel eröffnen. Das nächste Wochenende habe sie aber gesagt, sie wolle noch einmal studieren. Und zwar Medizin in München. Glauser merkte, dass das nicht funktionieren würde. Nach acht Monaten hat er die Beziehung beendet.

 

Glauser zaunt eine Stück der Wiese ein.

Dreiecksbeziehung
Das war im letzten Herbst. Seit da ist Glauser wieder alleine. Er lebt mit seinen Eltern in einem Einfamilienhaus oberhalb des Betriebs. «Da ich jetzt weiss, wie es sich anfühlt, wenn alles zusammenbricht, lasse ich mich nicht mehr so schnell auf etwas Neues ein», sagt er. Zudem wolle er eine Frau, die wisse, was sie wolle, und bereit sei, sich auf das Leben einzulassen, das er führt. «Natürlich bin ich nicht auf der Suche nach einer billigen Arbeitskraft für Haus und Hof», räumt er ein. Er wolle auch niemanden, der von heute auf morgen auf den Hof ziehe und 100 Prozent in den Betrieb einsteige. «Ich möchte aber eine Frau die versteht, dass ich an sonnigen Sommerwochenenden mähen muss und nicht einen Badeausflug machen kann», sagt er. Sie müsse verstehen, dass das, was sie führen würden, wie eine Dreiecksbeziehung wäre. «Sie, ich und der Betrieb. Da müssen alle drei Kompromisse eingehen.»
«Es wäre schon schön, jemanden zu haben. Ich bin aber nicht krampfhaft auf der Suche.» Im Internet habe er noch nicht gesucht. Auch zu «Bauer, ledig, sucht» wolle er im Moment nicht. «Es wird schon so kommen, wie es muss», sagt er und nimmt noch ein Güezi.

 

Erschienen am 5. August 2017 im «Schweizer Bauer». Im Rahmen eines Dossiers zum Thema «Single sein».