Von Reggae im Altersheim und abgelaufenen Cervalats

Am Samstag tauft die Bieler Band Studeyeah ihre EP «Usgrächnet i de Ferie». Bis zu diesem Moment war es ein langer Weg mit einigen Durchhängern. Jetzt sind sieben Songs über Reggae, im Altersheim, Kaffeemaschinen und Cervalats auf CD und Vinyl erhältlich.

Text: Julia Spahr, Bild: zvg

«In meiner Band sind alles Profis. Das kannst du gern schreiben.» Mark «Stude» Stalder lacht leise. Dabei hüpfen seine Schultern auf und ab. Der grosse, schlanke, Mann sitzt in der Küche seiner Wohnung in der Bieler Altstadt. Neben ihm steht eine Badewanne, auf dem Gasherd eine Pfanne mit Rösti. Irgendwo liegt noch eine wochenalte Cervalat. Doch dazu später mehr.

Am Samstag gibt Stude mit seiner Band Studeyeah im Le Singe das Release-Konzert seiner neuen EP «Usgrächnet i de Ferie». Seit zwei Jahren arbeiten die Musiker auf diesen Moment hin. 2016 gaben sie ihr erstes Konzert. «Schon damals war unser Plan, eine EP aufzunehmen. Damit wollen wir an ein Label gelangen, unter dem wir ein Album herausbringen können», sagt Stude.

«Mini Band isch e müede Hufe»

Die Band besteht aus Bieler Musikern: Crimson an der Gitarre, Hugo Panzer am Schlagzeug und Henry Strongbox an den Keys. Stude selbst spielt Bass und singt. «Auf dieser EP haben alle ihren Beitrag geleistet. Wir arbeiten gut zusammen, obwohl wir einige Durchhänger hatten», wie Stude sagt. Davon zeugt ein Song auf der EP, der auf tatsächlich Erlebtes zurückgeht. «Mini Band isch ä müede Hufe nume sufe u sufe, kes Gspüri zum Groove, i cha nüme schnufe nume no choze, nume äs huere Umägemotze.» Heisst es dort. «Manchmal fehlte tatsächlich die Disziplin», erzählt Stude. Dann hatten sie aber einen Auftritt im Berner Dachstock. «Danach bekamen wir sehr gute Rückmeldungen. Das hat uns extrem Aufwind gegeben.» Mit der neuen Energie konnten sie schliesslich die sieben Songs für die EP fertigstellen und im Yagwud-Records-Studio von Sirup Gagavil in Biel aufnehmen.

Alters WG

Nicht nur die Stimmung in der Band hat Stude in einem Song verarbeitet. Fast alle seiner hauptsächlich berndeutschen Stücke sind von Alltagssituationen inspiriert. So beklagt er sich in älteren Songs etwa darüber, dass Brockenhäuser teuer sind, besingt die Freundlichkeit, die im Migros-Restaurant Grenchen herrscht, und auf einem Song der neuen EP beschreibt er die Vorzüge einer Kapsel-Kaffeemaschine. Aber auch sozialkritische Aspekte finden Eingang in seine Texte. Im Song «Autersheim», zu dem sie gerade ein Video herausgebracht haben, geht es darum, dass die alten Leute zwar «Kohle» ins Heim bringen, aber Essen aus der Dose bekommen und früh ins Bett müssen. Und dass er, wenn er einmal alt ist, mit seinen Kollegen in eine WG ziehen will, um dort Reggae zu hören.

 

 

Reggae ist ganz allgemein ein Leitmotiv der Platte. Fast jeder Song enthält thematisch und musikalisch solche Elemente. So beispielsweise «Island Man» oder das Stück mit österreichischem Sprechgesang, «Numba One». «Reggae und Rap sind meine Haupt-Stilrichtungen», sagt Stude. «Das geht zurück auf meine wichtigsten Einflüsse: Bob Marley und Snoop Dogg.“

Krank in den Ferien

Neben Reggae und Rap enthalten die Songs auch elektronische Komponenten. Besonders «Cervalats», aus dem die Titelgebende Zeile «Usgrächnet i de Ferie» stammt. Dort geht es darum, dass man in den Ferien krank wird, weil man eine alte Cervalat gegessen hat.

 

 

Um auf die neue EP aufmerksam zu machen, hat Stude wochenlang eine Cervalat bei sich rumliegen lassen. Im Internet konnte anhand eines Fotos geschätzt werden, wie lange sie schon bei Stude in der Küche liegt. «Schau hier ist sie. Bis jetzt hat sie etwa sechs Wochen dort gelegen.» Stude holt eine noch ganz passabel aussehende Wurst neben der Röstipfanne hervor. «Die werde ich jetzt nicht essen, sonst bin ich ausgerechnet an der Plattentaufe krank», sagt Stude. Und wieder hüpfen seine schlanken Schultern auf und ab.

 

 

CD und Vinyl-Platte sind ab dem 7. Februar bei Vinyl Biel und auf www.studeyeah.com erhältlich. Auf dieser Seite sind auch die Musik-Videos zu sehen.

Der Text ist am 1. Februar im «Bieler Tagblatt» erschienen.