«Es wird mich stets nach Biel zurückziehen»

Morgen findet in Zürich die Verleihung der Swiss Music Awards statt. Der Bieler Musiker Nemo ist gleich vier Mal nominiert. Was er von dem Abend erwartet und warum Biel für seinen Erfolg mitverantwortlich ist, erzählte er gestern am Telefon.

Text: Julia Spahr, Bild: Maximilian Lederer

«Hallo. Do isch dr Nemo Mettler.» Eine sanfte Stimme meldet sich Telefon. «Aues klar bi dir?», fragt er, ohne sein Gegenüber zuvor jemals gesehen oder gesprochen zu haben.

Bescheiden klingt er. Kaum zu glauben, dass da der musikalische Überflieger des letzten Jahrs spricht. Der 18-jährige Bieler hat 2017 fast vierzig Konzerte gespielt, seine Single «Du» hielt sich drei Wochen auf Platz vier der Schweizer Hitparade und jetzt ist Nemo für vier Swiss Music Awards nominiert. In den Kategorien «Best Male Solo Act», «Best Breaking Act», «Best Live Act» und «Best Hit». So viele Nominationen im selben Jahr bekam noch niemand vor ihm. «Ich bin etwas erschrocken, als ich die Nachricht bekommen habe», erzählt Nemo. «Es ist mega krass. Alles ist so schnell gegangen».

 

 

Tatsächlich ist der junge Mann noch nicht lange auf der musikalischen Bildfläche. Gemeinhin wird sein Auftritt an einem Rap-Live-Event von SRF Virus 2016 als Moment des Durchbruchs genannt. Der habe ihn «über Nacht auf die Landkarte der Schweizer Musik» gesetzt, wie es auf der Website seines Managements heisst. Seit da ging es – eben: «mega krass schnell». Er kam beim Zürcher Label Bakara unter Vertrag, wo auch Lo&Leduc oder Steff La Cheffe sind, brachte Rap- und melodiöse Pop-Songs heraus. Für «Ke Bock» erhielt er eine goldene Schallplatte.

 

 

Wie ein Kunstwerk

Neben dem ersten Erschrecken freut sich Nemo über die Nominierung. «Das ist sehr schön. Die Preise sind aber nicht der Grund, weshalb ich Musik mache». Er tue es fürs Konzerte-Spielen. Und weil er bei keinem anderen Beruf mit so viel Freude dabei wäre. «Ich könnte ohne weiteres jeden Tag zwölf Stunden für meine Musik arbeiten», sagt er. Nach einer kurzen Pause fügt er an: «Gut, das mache ich eigentlich auch.» Er scheint zu schmunzeln. Dabei sieht man sein charakteristisches Lächeln und seinen Lockenkopf geradezu vor sich.

Neben der Freude steckt er auch andere persönliche Emotionen in die Musik. So etwa in den intensiven Song «Kunstwärch» auf der neusten EP «Fundbüro». Der handelt von einer geliebten Person, die ihn als Einzige nicht mehr ansieht, während er von allen anderen betrachtet wird wie ein Kunstwerk im Museum. Geht es da um eine traurige Liebesgeschichte? Wieder bekommt man das Gefühl, als würde Nemo lächeln. «Ich habe das Ganze dramatisiert.» Aber seinen Songs lägen schon persönliche Erfahrungen zu Grunde. In «Kunstwärch» verarbeitete er den Gedanken, dass er von daheim weggegangen ist und alte Freunde kaum mehr sieht.

Biel hat so viel zu bieten

Nemos Heimat ist Biel. Da lebt er aber nicht mehr. Obwohl er immer noch an der Stadt hängt: «Ich finde Biel die internationalste aller Schweizer Städt. Und das sage ich, obwohl ich jetzt in Zürich wohne.» Biel habe kulturell so viel zu bieten, so viele verschiedene Leute hätten ihn da inspiriert. «Ich habe in Biel viel gelernt. Da hat alles angefangen. Und egal, wo ich einmal wohne, in Berlin, New York, wo auch immer, es wird mich stets nach Biel zurückziehen.»

Vorerst geht Nemo aber nicht nach Biel, sondern an die Verleihung der Swiss Music Awards, die morgen stattfindet. Wird er dort alle vier Preise abräumen? «Äuä!», sagt er und diesmal lacht er tatsächlich. «Ich lasse es auf mich zukommen und habe nicht zu hohe Erwartungen. Im Musikbusiness weiss man sowieso nie genau, was kommt.» Was von Nemo noch kommt, wissen wir auch nicht. Aber bestimmt einiges. Er zieht sich nämlich vorerst zurück aus der Öffentlichkeit, um an neuen Songs zu arbeiten.

 

Der Text ist am 8. Februar im «Bieler Tagblatt» erschienen.