Hecht fordert diesen Sommer zum Tanzen und Träumen auf

In ihrem neuen Album «Oh Boy» schneidet die Band Hecht die ganz grossen Themen an. Sie verpacken die Texte rund um Liebe, Schmerz, Träume, Tod und Sex in mitreissenden Popsongs und eingängige Melodien. Dazu tanzen sie gleich selbst.

Text: Julia Spahr, Bild: Tabea Hüberli

«Mer send gar ned fürenand gebore, aber lass üs förenand stärbe. Mit der beni heicho». So lautet der Refrain des Songs «Heicho» auf «Oh Boy», dem neuen Album der Band Hecht. «In diesem Stück habe ich das Gefühl verarbeitet, mit einer geliebten Person angekommen zu sein. Ich bin jetzt 37 und will nicht mehr jeden Abend in den Ausgang. Es ist wohltuend, etwas zur Ruhe gekommen zu sein», sagt Stefan Buck. Er ist Sänger der Band und schreibt die Songs und Texte selbst.

Während das neue Album mit den eingängigen, schnörkellosen Popsongs ohne viel elektronischen Einfluss musikalisch weitgehend an die bisherigen beiden Hecht-Alben anschliesst, sind die Texte tatsächlich erwachsener und nachdenklicher geworden. So etwa im titelgebenden Song «Oh Boy». Darin geht es darum, dass einen nur wahrer Schmerz weiterbringt. Bei diesem starken Popsong, der mit einer vielversprechenden vom Synthesizer verzerrter Stimme einsetzt, verzeiht man es auch, dass manche Reime etwas abgedroschen daherkommen. Wenn sich etwa Schmerz auf Herz reimt und Herz dann wieder auf Schmerz. 

«Vo was tröimsch du genau?»

Vielmehr als der Schmerz sind es aber die Träume, die sich geradezu leitmotivisch durchs Album ziehen: «Die eine tröimed vomne Drüer, die andere bstelled en Zwöier und tröimed vo früener, vo was tröimsch du genau?» Heisst es im sanften Titel «Surfer». «Kingsize» handelt von einem Paar, das in der Traumfabrik Hollywood unterwegs ist. Dieses Stück nimmt aber augenzwinkernd eine andere Wendung. Es geht mehr um das Hotelzimmer und das grosse Bett, in dem körperliche Träume wahr werden. Während in diesem Song das Schlagzeug rhythmisch die ekstatische Atmung imitiert, kommt «Verlore im Meer» für Hecht-Verhältnisse ungewohnt melodiös daher. «Dieser Song ist zurzeit mein Favorit auf dem Album. Es ist mir besonders gut gelungen» , sagt Buck dazu.

Aus Charlotta wird Julia

Der Sänger hat viel Eigenes in die neuen Songs gesteckt. «Es ist bisher unser persönlichstes Album», sagt er. Das zeigt sich etwa an der ersten Singleauskopplung «Kawasaki» . Während Buck im bisher grössten Hit der Band von 2015 seine Traumfrau noch als Charlotta besungen hat, heisst sie in der neuen Single Julia. Und das ist der Name von Bucks Frau. «Ich habe mir lange überlegt, ob ich ihren richtigen Namen nennen soll.» Da es aber wirklich um sie gehe, könne er es ehrlicher singen und «ich fühle mich besser, wenn ich den Song höre» , sagt er.

 

 

An Kawasaki fällt neben dem Namen auch der leicht morbide Text auf («uf mim Grabstei muess din Name stah»). Und der Tanz, den Hecht im Video vorführt. Sie hätten ihn einstudiert, weil das bei ihnen eine gewisse Tradition habe. «Bereits in früheren Musikvideos haben wir getanzt. Einige Bands spielen im Anzug, andere sind oben ohne auf der Bühne und wir tanzen», so Buck. «Und wer weiss, vielleicht tanzen die Leute an den Konzerten ja genauso mit.»

 

 

Halt in Aarberg

Zu der Musik von Hecht dürfte in diesem Sommer tatsächlich getanzt werden. Stefan Buck (Gesang), Chris Filter (Schlagzeug), Christoph Schröter (Gitarre), Daniel Gisler (Keys) und Philipp Morscher (Bass) spielen 2018 an verschiedensten Festivals. So etwa am Stars of Sounds in Aarberg. Und auch ihre Konzerte in den grössten Schweizer Clubs sind bis auf eine Zusatzshow alle ausverkauft.

«Wir freuen uns extrem auf diesem Sommer. Unglaublich, dass wir die Clubs füllen und an den Festivals spielen, von denen wir immer geträumt haben», sagt Buck, womit wir wieder beim Träumen wären.

 

Der Text ist am 17. März im  «Bieler Tagblatt» erschienen.